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Automatikgetriebe Ölstand prüfen

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Aktualisiert: 11.12.2025

Automatikgetriebe Ölstand prüfen: Anleitung, Temperaturwerte und Tipps mit/ohne Peilstab. Symptome erkennen, Fehler vermeiden – jetzt Schritt für Schritt starten!

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Viele glauben, das Getriebeöl im Automatikgetriebe sei eine „Lebensdauerfüllung“ und müsse nie geprüft werden. Überraschung: „Lebensdauer“ meint oft nur die geplante Servicezeit – nicht das ganze Autoleben. Und der falsche Ölstand ist einer der häufigsten Gründe für ruppige Schaltvorgänge, Vibrationen oder sogar teure Schäden. Hier zeige ich Dir, wie Du den Ölstand richtig kontrollierst – mit und ohne Peilstab.

Warum der korrekte ATF-Stand so wichtig ist

Im Automatikgetriebe übernimmt das ATF (Automatic Transmission Fluid) mehr als eine Aufgabe: Es schmiert, kühlt, überträgt hydraulischen Druck und sorgt für sauberes Schalten. Ist der Stand zu niedrig, saugt die Pumpe Luft – Resultat: Schlupf, verzögertes Einlegen der Gänge, Heißlaufen. Zu viel Öl ist ebenfalls problematisch: Das Fluid wird aufgeschäumt, der Druck bricht ein, Dichtungen leiden.

Wichtig zu wissen: ATF dehnt sich mit Temperatur aus. Ein Stand, der bei 20 °C zu niedrig wirkt, kann bei 70 °C perfekt sein. Deshalb schreiben Hersteller Prüftemperaturen vor. Anzeichen, dass etwas nicht stimmt:

  • Kalt ruckelt’s, warm bessert es sich – oder umgekehrt
  • Spürbare Verzögerung beim Einlegen von D oder R
  • Heul- oder Surrgeräusche unter Last
  • Verfärbtes Öl: sehr dunkel, verbrannter Geruch

Ein kurzer Blick auf die Farbe (hellrot bis honigfarben ist normal) hilft, ersetzt aber keine korrekte Messung.

Vorbereitung: Temperatur, Werkzeug, Sicherheit

Bevor es losgeht, sorge für waagerechten Untergrund und gute Belüftung. Du arbeitest am laufenden Motor – Sicherheit geht vor.

Das brauchst Du:

  • Sauberes Tuch oder fusselfreies Papier
  • Schutzhandschuhe und Bremsenreiniger für saubere Messpunkte
  • Taschenlampe
  • Je nach System: Peilstab (falls vorhanden), OBD‑Scanner zum Auslesen der ATF‑Temperatur, Stecknüsse/Innensechskant für den Level-Stopfen
  • Auffangwanne, falls Überlaufmethode nötig ist

Tipp: Plane eine kurze Probefahrt (10–15 Minuten), um die Betriebstemperatur zu erreichen. Während der Prüfung bleibt der Motor meist im Leerlauf.

ATF-Checkparameter (typisch, Herstellerangaben beachten)
- „HOT“-Messung (Peilstab): ca. 60–80 °C Getriebeöltemperatur
- Überlauf/Level-Stopfen: häufig 35–45 °C Zielbereich
- Motor im Leerlauf, Fahrzeug waagerecht, Bremse angezogen

Schritt-für-Schritt: Ölstand prüfen – mit Peilstab

Viele ältere oder wartungsfreundlichere Automatikgetriebe besitzen einen Peilstab. So gehst Du vor:

  1. Warmfahren: 10–15 Minuten fahren, bis das Getriebe warm ist.
  2. Fahrzeug abstellen: Waagerechter Platz, Feststellbremse setzen. Motor laufen lassen.
  3. Gangwahlhebel: Mit Fuß auf der Bremse langsam alle Gänge durchschalten (P → R → N → D → S…), jeweils 2–3 Sekunden halten. Dann in P oder N bleiben (siehe Handbuch).
  4. Peilstab herausziehen: Mit Tuch abwischen, wieder bis zum Anschlag einführen.
  5. Erneut herausziehen und Markierung ablesen. Viele Peilstäbe haben „COLD“ und „HOT“. Messe im passenden Temperaturfenster.
  6. Öl beurteilen: Farbe, Geruch, Fremdpartikel. Leicht bräunlich ist okay, schwarz und verbrannt nicht.

Ist der Stand zu niedrig, fülle in kleinen Schritten nach (richtiges ATF gemäß Spezifikation!). Nach jeder Zugabe den Schaltvorgang wiederholen und erneut messen. Überfüllung unbedingt vermeiden.

Typische Fehlerquellen:

  • Messen auf schrägem Untergrund
  • Falsche Temperatur (zu kalt/zu heiß)
  • Motor aus oder falsche Gangstellung
  • Peilstab nicht bis zum Anschlag eingeführt
Merkkarte (Peilstab)
- Motor: Leerlauf
- Gang: P oder N (Herstellerangabe)
- ATF-Temp: 60–80 °C
- Ergebnis: Niveau zwischen „HOT MIN“ und „HOT MAX“

Schritt-für-Schritt: Ölstand prüfen – ohne Peilstab (Überlaufmethode)

Viele moderne Getriebe sind „ab Werk befüllt“ und haben keinen Peilstab. Der Ölstand wird dann über einen Level-/Überlauf-Stopfen an der Getriebewanne kontrolliert. Das ist technisch anspruchsvoller – arbeite sorgfältig und im Zweifel mit Fachwerkstatt.

So funktioniert die Überlaufmethode:

  1. Fahrzeug waagerecht anheben und standsicher abstützen. Motor starten, Leerlauf.
  2. Getriebe auf die vorgeschriebene ATF-Temperatur bringen (z. B. 35–45 °C). Ideal mit OBD‑Scanner auslesen.
  3. Vorsichtig den Level-Stopfen öffnen. Achtung: heißes Öl!
  4. Korrekt ist der Stand, wenn ein dünnes Rinnsal austritt. Kommt gar nichts: Stand zu niedrig. Strömt kräftig: eher zu hoch.
  5. Zum Nachfüllen wird über die Füllöffnung (nicht Level-Stopfen) ATF in kleinen Mengen zugegeben, bis am Level-Stopfen ein zarter Überlauf entsteht. Stopfen mit vorgeschriebenem Drehmoment schließen.

Hinweise und Unterschiede:

  • Wandlerautomatik: Häufig Überlauf bei definierter Temperatur. Unbedingt Herstellerfenster einhalten – 5 °C daneben verfälschen das Ergebnis.
  • Doppelkupplungsgetriebe (DCT): Teilweise getrennte Ölkreise für Mechatronik und Getriebe. Füll- und Prüfabläufe unterscheiden sich. Falsches Öl kann Schäden verursachen.
  • Stufenloses Getriebe (CVT): Spezielle CVT-Fluide mit anderen Reibwerten. Mess- und Füllvorgaben sind strikt, oft nur mit Diagnosetool korrekt prüfbar.
Level-Stopfen-Prüfung (Schema)
- ATF-Temp: 35–45 °C
- Motor: Leerlauf, Gänge vorher einmal durchschalten
- Ziel: Dünner, gleichmäßiger Überlauf = korrekter Stand

Praxisbeispiel

Nach einer Bergtour schaltet das Auto beim Anfahren ruppig. Du prüfst bei 70 °C mit Peilstab: Der Stand kratzt an „HOT MIN“, das Öl riecht leicht angebrannt. Nach behutsamem Nachfüllen (100–200 ml) verschwinden die Härten – ein klarer Hinweis, dass der Stand knapp war. Bleibt der Geruch stark oder ist das Öl sehr dunkel, plane einen Service mit Filterwechsel.

Wenn der Stand trotzdem „stimmt“, aber Probleme bleiben

  • Software/Adaption: Moderne Getriebe lernen Schaltpunkte. Nach Arbeiten am Ölkreislauf kann eine Adaptionsfahrt erforderlich sein.
  • Nebenluft/Kavitation: Poröse O‑Ringe an der Ansaugseite der Pumpe lassen Luft ins System.
  • Kühlung: Verstopfter Getriebeölkühler führt zu zu hohen Temperaturen – das verfälscht jede Messung.

Wichtig: Wenn das Getriebe bereits rutscht oder Fehlerspeichereinträge bestehen, zuerst diagnostizieren, dann prüfen und füllen. Ein korrektes Niveau heilt keine verschlissenen Lamellen – es verhindert aber zusätzlichen Schaden.

Fazit:

Den Ölstand im Automatikgetriebe prüfen ist kein Hexenwerk – aber temperatur- und prozesskritisch. Mit Peilstab gelingt es schnell, bei „sealed“ Getrieben hilft die Überlaufmethode mit definiertem Temperaturfenster. Mein Rat: Arbeite sauber, messe im richtigen Bereich und fülle nur in kleinen Schritten nach. Bei Unsicherheit oder fehlendem Zugang zu Temperaturdaten hol Dir Unterstützung – Dein Getriebe dankt es mit langen, sanften Schaltphasen.

Fehler eingrenzen

Mit einem OBD2-Scanner kannst du den Fehlerspeicher in 2 Minuten auslesen.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte ich den Ölstand meines Automatikgetriebes prüfen?

Es wird empfohlen, den Ölstand mindestens alle 6 Monate oder gemäß den Herstellerangaben zu überprüfen.

Was passiert, wenn der Ölstand zu niedrig ist?

Ein zu niedriger Ölstand kann zu schweren Schäden am Getriebe führen, da die Schmierung unzureichend ist.

Kann ich jedes Öl für mein Automatikgetriebe verwenden?

Nein, verwenden Sie nur das vom Hersteller empfohlene Automatikgetriebeöl, um optimale Leistung zu gewährleisten.

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